Der Weg hinterlässt auch Spuren in mir – 115. Tag

Der Grenzgänger ist kein bisschen müde

Ruhetag in Eisenhüttenstadt / 13.07.2010 / 115. Tag

Kunst am Fluss

Ich bin begeistert über jeden neuen Tag an dem ich mit Emma zu neuen Erlebnissen aufbrechen kann. Jeder Tag ist anders. Es sind die verschiedenartigen Landschaften, die ich täglich neu erleben darf, die vielen unterschiedlichen Wetterbilder, die die Landschaft verändern. Es ist der Geruch der Lindenblüten, der Holunderblüten oder des modrigen Brackwassers ebenso wie die Laute unterschiedlichster Tierarten die Landschaft prägen und unverwechselbar machen. Landschaft schmeckt, Landschaft riecht, Landschaft klingt. Und es sind vor allem die Menschen, die ich unterwegs kennen lerne und die diese Wanderung zu einem einmaligen Erlebnis machen.

Der „Grenzgänger“ ist kein bisschen müde, immer noch hungrig nach neuen Erfahrungen und Erlebnissen. Jeder Tag ist neu, jeder Tag ist kostbar und ich denke auch nur in dieser einen Dimension. Wo bringt mich der neue Tag hin? Wer wird mir begegnen? Finden wir am Abend eine Unterkunft?

Ich lasse mich ein auf den Weg, entscheide spontan wie weit wir gehen oder ob wir einen anderen Weg, eine andere Richtung einschlagen. Ich habe ein Ziel vor Augen. Ende November möchte ich wieder zu Hause sein. Aber was dazwischen passiert hängt von den verschiedensten Faktoren ab. Nennt man so etwas Wanderglück? Ich denke ja!

Die meist gestellte Frage lautet: „Wie viele Kilometer laufen sie am Tag? Und wie lange brauchen sie dafür?“ Meine Standartantwort: „Ich weiß es nicht.“ Es wird in erster Linie bestimmt von den Menschen, die mir begegnen. Begegnungen von denen ich vorher nicht weiß wie lange sie dauern. Oftmals sind es nur wenige Augenblicke, manchmal sind es auch Stunden. Der Erfahrungsaustausch mit vielen wunderbaren Menschen macht diese Grenzerfahrung entlang der deutschen Grenze zu einem besonderen Erlebnis.

Ich freue mich weiterhin auf jeden Tag, den ich unterwegs sein darf. Genauso freue ich mich über jede Aufmunterung, die mich per e-mail oder per SMS erreicht. Während meiner gesamten beruflichen Zeit als Journalist habe ich immer versucht die Menschen im wahrsten Sinne des Wortes zu unterhalten. Wenn mir dies mit meinem Projekt ebenfalls gelingt, habe ich ein großes Ziel dieser Wanderung bereits erreicht.

Flo, die bei meiner Wanderung vom Saarland bis nach Trier mit mir unterwegs war, hat mir eine Karte mit einem Spruch von Antoine de Saint-Exupéry geschickt: „Geh Wege, die noch niemand ging, damit du Spuren hinterlässt.“ Ich habe bereits Spuren hinterlassen, aber der Weg hinterlässt auch Spuren in mir.

Morgen wandere ich mit Emma weiter. Auf Spurensuche sind wir unterwegs von Eisenhüttenstadt, der Partnerstadt von Saarlouis, nach Guben. Jeder auf seine Art.

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