Ein Denkmal für Emma – 128. Tag

Wirt der Hochwald-Turmbaude

Über den Grenzweg zum Balkon von Zittau

Oybin – Waltersdorf / 26.07.2010 / 128. Tag

Auch der zweite Tag im Zittauer Gebirge ist ein Traum für jeden Wanderfreund. Bernd-Joachim Schmidt, der mich bereits gestern durchs Gebirge begleitet hat, zeigt mir auch heute wieder die Highlights seiner Heimat. Hinter Oybin wandern wir zunächst zum Wahrzeichen des Sandsteinkletterns im Zittauer Gebirge, einem Buntsandsteinfels in Form eines überdimensionalen Kelches. Auf den Blaubeeren und Himbeeren am Wegesrand liegt noch Morgentau. Sie schmecken fantastisch.

Über den deutsch-tschechischen Grenzweg steigen wir auf zum „Balkon von Zittau“. Nach einhundertachtundzwanzig Stufen stehen wir auf 775 Meter und genießen von der Aussichtsplattform des Turmes einen 360 Grad Rundumblick. Bernd kennt jeden Berg, kennt jedes Dorf, Heimatkunde in luftiger Höhe.

Denkmal für Emma

Unterhalb des Turmes machen wir eine kurze Rast in der Hochwald-Turmbaude. Emma fühlt sich gleich wie zu Hause und inspiziert als erstes die Küche. Nur wenige Minuten später erreichen wir die Hochwaldbaude mitten auf der Grenze. Während der Wirt seinen Gästen ein Bier zapft kommen wir ins Gespräch. Das Gebäude steht noch in Deutschland, der kleine Gemüsegarten liegt bereits auf tschechischem Gebiet.

Bernd drängt zum Weiterwandern. Abseits des Zittauer Bergkammweges will er mir noch einige Besonderheiten präsentieren. Der Abstieg unterhalb des Johannissteins führt über Grenzwiesen zwischen Deutschland und Tschechien. Hinter dem Kurort Jonsdorf beginnt der Einstieg in ein Labyrinth kleiner Wege und unzähliger Treppenstufen: Die Mühlsteinbrüche. Bereits 1560 entstand der erste Mühlsteinbruch im „Bärloch“.

Durch Erosion entstanden viele bizarre Felsformationen, sogar ein „Denkmal“ für Emma. Zwar wird die Felsformation als „Dackel“ bezeichnet, allerdings kann man bei näherer Betrachtung eindeutig einen Beaglekopf erkennen. Es folgen weitere Steinformationen wie Kaffeekanne, kleine und große Orgel sowie die Nonnenfelsen. Ein weiterer Grenzweg bringt uns Richtung Waltersdorf.

Unterhalb der Lausche, der mit 793 Metern höchsten Erhebung des Zittauer Gebirges steht das Wanderhotel Sonnebergbaude. Dort werde ich heute übernachten. Erst beim Abendessen fällt mir auf, dass ich heute noch gar keinen Kuckuck gehört habe. Als um zwanzig Uhr die Kuckucksuhr schlägt, kann ich mich beruhigt zurückziehen.

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