Übers Wiiwegli durchs Markgräfler Land – 222. Tag

Aus dem Leben der Inkas in Ötlingen

Weil am Rhein – Bad Bellingen / 28.10.2010 / 222. Tag

Café Inka

In den nächsten Tagen werde ich mit Emma durchs Markgräfler Land Richtung Norden wandern. Das Markgräfler Land steht für fruchtbare Böden und sonnenverwöhnte Landschaft. Direkt am ersten Tag profitieren wir davon. Als wir am Lindenplatz in Altweil die Beschilderung des Wiiweglis finden, fallen die ersten Sonnenstrahlen von Osten über den Hang. Nach wenigen Minuten sind wir umgeben von Rebflächen, großen Gärten und Streuobstwiesen. Vom Rheintal wandern wir stetig nach oben. Auf einer Wiese steht ein Apfelbaum mit rotbackigen Früchten. Der Morgentau hängt noch an der Außenhaut der Äpfel.

Immer wieder geht der Blick zurück ins Tal. Das gesamte Ausmaß der Stadt Basel wird sichtbar, rauchende Schlote, Industrieanlagen und Hochhäuser. Die Einflugschneise des Flughafens ist gut auszumachen. Über der Stadt liegt eine dicke Rauchschicht. Der Lärm der Stadt ist oben in den Weinbergen nicht mehr zu hören. Die Rebstöcke sind abgeerntet. Vereinzelte Trauben hängen im teilweise vertrockneten Laub. Sie schmecken zuckersüß.

Nach einer knappen Stunde erreichen wir hoch über dem Rhein das Winzerdorf Weil-Ötlingen. Der Weg führt direkt am Café INKA vorbei. Es öffnet erst um 12.00 Uhr. Als wir vor dem Café stehen zeigt die Uhr halb elf. Im Hinterhof entdecke ich die Küche und zwei eifrige Frauen beim Kuchenbacken und Vorbereiten der Mittagsmahlzeiten. Die Juniorchefin, Barbara Koger, öffnet mir den Innenraum des Cafès, das einen außerordentlichen Schatz zu bieten hat.

Bei Renovierungsarbeiten 1988 entdeckte Familie Koger eine ganz besondere Tapete, die 1819 in der Pariser Manufaktur Dufour & Leroy mit mehr als 2000 hölzernen Druckstöcken in 83 Farben gedruckt worden war. Die Tapete zeigt Ereignisse aus dem Leben der Inkas vor der Zerstörung ihres Reiches durch den Spanier Pizzaro. Textunterlage für die Szenen war der Roman „Les Incas, ou la destruction de L’Empire du Perou“ von Jean Francois Marmontel. Die Vollständigkeit in der Bildfolge und die Tatsache dass die Tapete noch in ihrem ursprünglichen Rahmen, dem ehemaligen Gasthaussaal, gezeigt werden kann, geben der Ötlinger Panoramatapete ihre besondere Bedeutung.

Nach der Besichtigung sitze ich im Garten genieße ein Stück Käsekuchen und trinke dazu einen Milchkaffee. Die Sonnenstrahlen wärmen mich im windgeschützten Hof. Paradiesische Zustände.

Nach dem Abstieg von Ötlingen ins Tal und der Überquerung der Bundesautobahn folgt ein weiterer Anstieg hinter Binzen. Rebstöcke so weit das Auge sieht. Kurz vor dem höchsten Punkt steht ein Wingerthäuschen mit der Aufschrift: Rebhaus zum Alpenblick. Ich blicke zurück. In der Verlängerung der Blickachse des Rebhäuschens und des Kirchturms der Ötlinger Kirche erkenne ich die riesigen Bergzacken der Alpenkette. Noch vor wenigen Wochen bin ich mit Emma dort gewandert. Unten im Tal die Smokglocke über Basel. Im Blick nach Westen der hinter dem Rhein liegende Sundgau im französischen Elsaß und die Ausläufer der Vogesen. Nach Norden fließt wie ein silbernes Band der Rhein, im Osten die ansteigenden Berge des Schwarzwaldes. Ein Panoramablick der Extraklasse.

Nach achteinhalb Stunden erreichen wir Bad Bellingen. Im Schwarzwälder Hof, einem Hotel mit dem Gütesiegel „Wanderbares Deutschland“, finden wir für eine Nacht eine Bleibe. Emma bekommt von der Chefin des Hauses eine Extraportion Haferflocken mit Milch. Die Weine aus dem Markgräfler Land, die ich an diesem Abend probiere, schmecken ausgezeichnet. Wollen wir hier bleiben oder wollen wir weiter? Ich entscheide das morgen.

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