Wandertipp: Wasser Dichter Spuren – Heidenburg/Hunsrück

Für Abwechslung ist gesorgt: Passagen durch dunklen Tann, Wegführungen durch Felder und Wiesen, Aussichten über die Hunsrückhöhen oder der Blick zu den Steilhängen an der Mosel bei Leiwen und Trittenheim sowie das Tal der kleinen Dhron, dazu Informationen über Dichter und Denker der Region, eine Wanderung für Körper, Geist und Seele.

„Was Heidenburg besonders auszeichnet, ist seine schöne Umgebung. Es gibt auf dem ganzen Hunsrück kaum einen Ort, der so prächtige Ausblicke in der Ferne aufweisen kann, wie sie hier geboten sind.“ Mit diesen Worten, aus den Erzählungen „Hunsrück mein Heimatland“, von Peter Mergener starten wir in Heidenburg am Parkplatz direkt neben dem Campingplatz Moselhöhe. Peter Mergener wurde 1875 in Heidenburg geboren. Seine Erzählungen ranken um die Menschen seiner Heimat, deren Lebensumstände und die Umgebung Heidenburgs.

Streuobstwiesen rund um Heidenburg

Die unmittelbare Heimat des Peter Mergener werden wir während der Wanderung rund um Heidenburg näher kennen lernen. Den Blick gegen den Kirchturm von Heidenburg gerichtet biegen wir wenige Meter nach dem Start in die rund um Heidenburg landwirtschaftlich geprägte Landschaft mit Weideland, Streuobstwiesen und Feldern.

Auf einer Anhöhe außerhalb von Heidenburg erhalten wir auf einer Informationstafel Details aus dem Leben des Dichters. Kurze Zeit später überqueren wir die nahe Kreisstraße. Die Wandertrasse verläuft für einige Meter neben der Straße. Dort passieren wir ein altes Steinkreuz, das dem Heiligen Josef gewidmet ist und an die Gefallenen und Lebenden Krieger von Heidenburg des Krieges 1914 -1918 erinnert. Über einen Wiesenweg bewegen wir uns kurz danach talwärts zum nahen Wald. Es geht nun stetig, mal auf breitem Waldweg mal auf schmalem Wald- oder Wiesenpfad bis zu einem Bachtal leicht bergab. Dort müssen wir für einige Meter über einen asphaltierten Feldweg weiterhin talwärts, ehe wir einem Waldpfad nach links oben folgen. Der Pfad schlängelt sich für längere Zeit in die Höhe. Über einen Wiesenweg gelangen wir am Ende des Anstiegs zur Ortsrandlage des Dorfes Breit und können auf einer Sinnenbank traumhafte Ausblicke über den Hunsrück genießen. Der  Blick reicht zum Dörfchen Büdlich, über die bewaldeten Hunsrückhöhen Richtung Dhrontal und weit darüber hinaus. An der Sinnenbank finden wir einen Hinweis, dass bis zur Wanderhütte Johannisbaum in der Dorfmitte von Breit gerade einmal einhundert Meter zurückgelegt werden müssen. Diese Wanderhütte wurde vor einigen  Jahren im Wettbewerb um die besten Schoppenweine aus den Weinanbaugebieten von Mosel, Saar und Ruwer ausgezeichnet. Die Plakette mit der Aufschrift „Haus der besten Schoppen“ ist unübersehbar.

Zurück zur Sinnenbank. Hinter der Ortslage von Breit steigen wir über Wald- und Wiesenwege nach unten. Am Ortsausgang von Büdlich überqueren wir die Kreisstraße 138. Rechter Hand steht am Straßenrand die Josefskapelle.

Über einen schmalen Waldpfad steigen wir zum Burgkopf und können von einer Sinnenbank weitere Aussichten genießen. Nur wenige Meter entfernt steht eine Wallfahrtskapelle zu Ehren der heiligen Maria. Vom Rastplatz unterhalb der Wallfahrtskapelle steigen wir, vorbei an imposanten Felsrippen steil bergab ins Dhrontal. Teilweise sind Abstiegshilfen zwischen den Bäumen angebracht. Hier ist unbedingt Trittsicherheit erforderlich.

Im Tal der Dhron

An der Dhron angekommen halten wir uns rechts und folgen dem Wasserlauf bis kurz vor die Staumauer des kleinen Flüsschens. Geräuschvoll braust das Wasser in Vielen Kurven um Gesteins- und Felsbrocken, schnell und lautstark wie ein Gebirgsbach. Plötzlich Ruhe und Stille im Tal. Wir sind angekommen am Stausee, der das Leben so vieler Anwohner verändert hat. Auch die Kleine Dhron hat sich anpassen müssen. Lautlos gleitet sie dahin. Hinter der Staumauer ist die wilde Dhron zu einem Rinnsal verkümmert. Ein 1400 Meter langer Stausee mit einer bis zu 20 Meter hohen Staumauer speichert etwa 530.000 Kubikmeter Wasser. Über eine Druckleitung wird das Wasser ins 100 Meter tiefer gelegene Dhronkraftwerk nach Leiwen an der Mosel geleitet.

Wir verlassen das Dhrontal über einen mit Gras überwachsenen Waldweg der nach oben ansteigt. Im weiteren Verlauf besteht die Möglichkeit eine leichte Variante nach oben zu nehmen oder eine steilere Variante, die sich, vorbei an kleinen Wasserfällen bis hin zum Aussichtspunkt „Keschnänsz Felsjen“, durch den Laubwald schlängelt. Dort erleben wir einen phantastischen Fernblick.

An der Dhrontalsperre

Bis zur Wanderschutz- und Grillhütte Heidenburg steigen wir weiter nach oben. Dort informiert eine Tafel über den Dichter Stefan Andres, der 1906 im Tal der Kleinen Dhron geboren wurde. Stefan Andres gehört zu den bekanntesten Autoren im Nachkriegsdeutschland. Der 1970 in Rom verstorbene Andres warnte in seinen zeitkritischen Schriften während der Zeit des deutschen Wirtschaftswunders vor allem vor der Verharmlosung des NS-Regimes. Sein frühes Werk handelt von Personen und Geschehnissen seiner Heimat. In seinem Roman „Die unsichtbare Mauer“ beschreibt er den Bau der Dhrontalsperre und die damit verbundenen Schicksale der Menschen, die infolge des Staudammbaues vertrieben wurden.

In seinem autobiografischen Roman „Der Knabe im Brunnen“ erinnert sich Stefan Andres daran, wie er erstmals von der Familie mit zur Kirche genommen wurde und aus dem engen Dhrontal hinter den Bergen auf die Höhe zum Zummet kam: „Auf die Höhe, wo der Weg aus dem kleinen Tal der Dhron in das große Moseltal hinüberläuft. Ich fühlte, wie mein Blick, der drunten am Bach immer gegen den Berg anstieß, in die Ferne fliegen konnte, weiter und noch weiter. – ‚Dat is de Mosel‘, sagte Vater und sein langer Finger wies in die Tiefe vor uns. – Was mir bis dahin nur aus den Worten der anderen bekannt war, nun sah ich es… während ich schaute, fühlte ich mich angeschaut vom Fluss und von den Bergen.“

Von der Hütte steigt der Weg zur Kreisstraße K76, die wir überqueren. Zunächst führt die Wegtrasse durch ein Waldstück. Anschließend sind wir bis Heidenburg durch Wiesen unterwegs. Am höchsten Punkt unserer Tour können wir das Moseltal ausmachen, so wie die teilweise steil abfallenden Rebhänge.

Eine weitere Infotafel stellt uns den 1462 in Trittenheim an der Mosel geborenen Abt, Gelehrten und Humanisten Johannes Trithemius vor, der als Johannes Heidenberg geboren wurde. Als Abt in Sponheim sammelte er über zweitausend Handschriften.

Weitblick in die Eifel

Später wechselte er vom Kloster Sponheim nach Würzburg, wo er sich neben seinen literaturgeschichtlichen und heimatkundlichen Betrachtungen auch der Alchemie widmete.

„Man soll sich sehr in Acht nehmen, rückwärts zu gehen – gehen wir lieber vorwärts, so gut wir können“, schreibt der junge Student Johannes Heidenberg in einer Selbstbeschreibung. 

Wir nehmen ihn beim Wort, nehmen uns in Acht und kommen nach wenigen Minuten zum Ausgangspunkt unserer Wanderung zurück. 

Blick auf Heidenburg

TOUR KOMPAKT

Anspruch: mittelschwer       

Strecke: 13,3 Kilometer      

Dauer: 4:30 Stunden

Höhendifferenz: 383 Meter

Wegmarkierung: viereckiges Schild mit der Aufschrift Traumschleifen Saar Hunsrück, ein stilisiertes S + H sowie der Schriftzug „Wasser Dichter Spuren“

Startpunkt: Parkplatz am Campingplatz Moselhöhe

Geografische Koordinaten: 49.799614 – 6.926310

UTM – Koordinaten: 32 U 350773 5518414

Anfahrt mit dem Auto: A1 Saarbrücken-Trier, Ausfahrt Mehring, weiter über die L 150 Richtung Thalfang, später über Büdlich (K138) nach Heidenburg

Parken: Parkplatz am Campingplatz Moselhöhe, Buchenweg 1, 54426 Heidenburg,

Anfahrt mit Bahn & Bus: Mit derBahn bis Trier, dort weiter mit der Buslinie Trier-Thalfang, weitere Auskünfte: Robert Reisen, www.robert-reisen.de

Einkehren: Bistro Campingplatz Moselhöhe, Buchenweg 1, 54426 Heidenburg, Telefon: 06509 / 99016, täglich geöffnet vom 1. April bis 30. September

Gasthof zur Linde, Brunnenstraße 21, 54426 Heidenburg, Telefon: +49(0)6509 / 99020, Öffnungszeiten: Ruhetag Montag

Wanderhütte Johannisbaum, Kapellenstraße 17, 54426 Breit, Telefon: +49(0)6509 / 247 oder +49(0)175 / 6134864  

Weitere Informationen:

Urlaubsregion Thalfang am Erbeskopf, Saarstr. 3, 54424 Thalfang, Tel. 06504 914050, www.erbeskopf.de

Hunsrück-Touristik GmbH, Gebäude 663, 55843 Hahn-Flughafen, Tel. 06543 507700, www.hunsruecktouristik.de

Nachzulesen im FORUM-Wochenmagazin vom 06. November 2020

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