Am Cafe Nirwana beginnt unser Wandertag – 198. Tag

Donado und Giovanna Caggiano

Das ist mein Nirwana

Nirwana – Urfeld / 04.10.2010 / 198. Tag

Am Morgen ein herzlicher Abschied von Donado und Giovanna Caggiano in Bad Tölz. Zwei Tage hatten wir dort „Bei Enzo“ gewohnt. Vor allem Emma wurde intensiv verwöhnt.

Als Max Gattermann, ein Postinspektor aus der Gegend von Passau, erfuhr, dass zwischen Bad Tölz und Bad Heilbrunn ein kleines Anwesen zu verkaufen sei, das niemand haben wollte, weil es „verhext“ sei, griff er zu. Er kaufte das Grundstück und ließ sich vorzeitig pensionieren, um den Rest seines Lebens in dieser Einsamkeit zu verbringen. Dies ist nun fast einhundert Jahre her. Vor dem Ersten Weltkrieg war dieser Landstrich eine fast unberührte Gegend. Als Max Gattermann zum ersten Mal seine neue Heimat sah, soll er ausgerufen haben: „Das ist mein Nirwana“. Heute ist das Cafe, das seit 1966 sein Enkel Walter gemeinsam mit seiner Frau Hildegard führt, in jeder Landkarte als Nirwana eingetragen.

Am Cafe Nirwana beginnt unser Wandertag. Blauer Himmel, leichter Westwind. Die Berge auf die wir uns allmählich zu bewegen, wirken wie blank geputzt. Über Bad Heilbrunn und Bichl erreichen wir nach drei Stunden Kloster Benediktbeuern.

Benediktbeuern ist eines der ältesten Benediktinerklöster und eines der wichtigsten christlichen Missionszentren in Bayern. Die Gründung des Klosters durch Karl Martell geht auf das Jahr 725 zurück. Am Eingang in die Bergwelt sollte die zunächst rein weltliche Station Buron den Weg über den Kesselberg und durch das obere Loisachtal zum Brennerpass und nach Italien kontrollieren. Erst einige Jahre später wurden auch Mönche hier ansässig. Der heilige Bonifatius weihte 739 die Kirche und führte den Alemannen Lantfried, den Karl Martell als hoheitlichen Vasallen eingesetzt hatte, in sein kirchliches Amt als Abt ein. Karl der Große vermittelte dem Kloster die Armreliquie des Heiligen Benedikt, durch die es später den erweiterten Namen erhielt.

Heute befinden sich in der Klosteranlage zwei Hochschulen, die Philosophisch-Theologische Hochschule sowie die Fachhochschule für Soziale Arbeit. Außerdem befindet sich das Jugendpastoral-Institut Don Bosco in der weiträumigen und weitläufigen Anlage. Hinzu kommen das Institut für salesianische Spiritualität, Pädagogik und Geschichte, das Zentrum für Umwelt und Kultur, eine Jugendherberge, Klostergästehäuser, ein Klosterbiogarten, ein Klosterladen sowie das Fraunhofer-Museum für Glas.

Über den Prälatenweg verlassen wir das Kloster Richtung Kochelsee, den wir entlang der Loisach zwei Stunden später erreichen. Ein besonders Heimat verbundener Landwirt hat die runden Begrenzungspfosten seiner Kuhweide mit weißblauer Farbe angemalt. Die Berge liegen im gleißenden Sonnenlicht, der Fön hat die letzten Wolkenfetzen vertrieben. Auf dem Kochelsee hängen Gleitschirmsurfer schräg im Wind und heben von Zeit zu Zeit vom Wasser ab. Emma ist das Schauspiel nicht geheuer. Sie zieht sich in den Hintergrund zurück.

Ich orientiere mich an der Beschilderung des Jakobsweges Richtung Süden. Die Route führt zum südlichen Ufer des Kochelsees und weiter über den Kamm zum Walchensee. In Urfeld, direkt am Seeufer mit Blick zum Karwendelgebirge, checken wir im Seehotel Karwendelblick ein.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*