Am nordöstlichen Zipfel Deutschlands – 102. Tag

Es wird einsam Richtung deutsch-polnischer Grenze

Wolgast – Ueckermünde / 30.06.2010 / 102. Tag

Um an den nordöstlichsten Zipfel meiner Deutschlandumrundung zu gelangen, steige ich heute zum letzten Mal aufs Fahrrad. Sechsundsiebzig Kilometer bin ich durch eine fast menschenleere Gegend unterwegs. Je näher ich der deutsch-polnischen Grenze komme, umso einsamer wird es. Auch in den kleinen Dörfern, die ich durchradle ist niemand auf der Straße. Mitten in der Einsamkeit treffe ich Burkhard Päth aus Gnevezin. Mit einer großen Astsäge schneidet er den Weg frei. Wenige Minuten später begegnen mir Gisela und Harald Sander aus Frankfurt am Main. Sie sind vor einigen Tagen in Frankfurt an der Oder mit ihren Fahrrädern gestartet und wollen Richtung Ahlbeck.

Regina Gentz vor ihrem Kuchenblech

Der landschaftliche Höhepunkt meiner Tour ist das Naturschutzgebiet „Anklamer Stadtbruch.“ Im Mündungsbereich der Peene entstand vor Jahrtausenden eine riesige Moorlandschaft, die mit 1230 ha Waldfläche der größte Moorwald Deutschlands ist. Der Wind erzeugt im Schilf leise Töne, die ab und zu von den Graugänsen auf dem Wasser übertönt werden. Ansonsten ist es still. Atemberaubende Bilder. Für einige Minuten genieße ich die Stille und den weiten Blick ins Moor.

Bugewitz besteht aus nur wenigen Häuser. Am ersten Haus ein Hinweis: Fahrradtankstelle. Regina Gentz hat das Elternhaus ihres Vaters zu einem kleinen Cafe umgebaut. Seit dem 1. Mai ist die „Tankstelle“ geöffnet. Nachdem sie viele Jahre verantwortlich für die „Butterfahrten mit dem Schiff“ war, will sie jetzt etwas kürzer treten. Im Innenraum ist für fünfzehn Personen eine Kaffeetafel mit alten Sammeltassen und Zubehör gedeckt. „Heute Mittag ist Mumientreff“, sagt sie lächelnd. Die 60-80jährigen aus Bugewitz wollen sie besuchen.
Ich genieße den selbst gebackenen Kuchen in „Gines kleiner Fahrradtankstelle“ und unterhalte mich Stephie und Sebastian aus Berlin. Sie sind für einige Tage mit dem Fahrrad unterwegs. „Ganz schön anstrengend für Stadtmenschen die selten auf dem Fahrrad sitzen“, meinen die Beiden.
Auch die schönste Pause muss mal zu Ende sein. Bis Ueckermünde durchradle ich noch eine wunderschöne Waldpassage bevor ich am frühen Nachmittag den Strand erreiche. Morgen warten die Wanderschuhe und Emma auf mich. Ich glaube Emma freut sich wieder mit zu Wandern.

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