Die Saar ist auf neun Kilometern Grenzfluss – 241. Tag

Entlang der Saar Richtung Völklingen

Saargemünd – Saarbrücken / 16.11.2010 / 241. Tag

Entlang der Ufer von Blies und Saar führt der „Circuit de la Faience“ zu fünf Zeugnissen der industriellen Steingutfertigung. 1790 entstand im östlichen Frankreich eine Produktionsstätte, die eine kleine Stadt weltberühmt machte: die Steingut Manufaktur, welche die Brüder Nicolas-Heinz und Paul-Augustin Jacobi zusammen mit Joseph Fabry in Saargemünd gegründet haben. Heute, zwei Jahrhunderte später können Kunst- und Geschichtsinteressierte Erfindergeist, Talent, Know-how und Tradition wieder entdecken.

Erinnerungen an Großvater

Am Ufer der Saar wandern wir aus Saargemünd Richtung Saarbrücken. Rechter Hand mündet die Blies in die Saar. Alte, ausrangierte Flusskähne liegen am rechten Saarufer und warten auf ihre Verschrottung. Meine Gedanken wandern zurück zu meinem Großvater, der für viele Jahre Schiffsbauer an der Saar war. Zwischen Saarbrücken und Völklingen wurden vor dem Zweiten Weltkrieg auf den Werften der Familie Saar und der Gebrüder Schäfer Saarkähne gebaut, so genannte Penichen. Einer der Schäferbrüder hatte die Schwester meines Großvaters geheiratet. Einige Bilder zu Hause erinnern an die Zeit, von der mein Großvater viele Jahre später seinem Enkel erzählen sollte.
Von Hanweiler bis Güdingen bildet die Saar auf einer Strecke von fast neun Kilometern die Grenze zwischen Deutschland und Frankreich. Vor wenigen Tagen noch bin ich entlang des Oberrheins gewandert, mit Blick auf die Vogesen. In den Nordvogesen entspringen die Rote und Weiße Saar am 1008 m hohen Donon. Kurze Zeit später vereinigen sich die beiden Bäche zur Saar und fließen 250 Kilometer von Süden nach Norden. Bis Saargemünd fließt die Saar ausschließlich durch Frankreich. Dann wir sie bis kurz vor Saarbrücken zum Grenzfluss, bis sie hinter Saarhölzbach das Saarland verlässt und einige Kilometer später bei Konz, kurz vor Trier, in die Mosel mündet. Auch den gesamten Verlauf der Saar von der Quelle bis zur Mündung habe ich vor Jahren erwandert und in meinem Buch „Die Saar“ beschrieben. Damals schien mir das eine lange Wanderung zu sein. Im Vergleich zu meiner Deutschlandtour war es eher ein Sonntagsspaziergang.
Zwischen dem lothringischen Großbliederstroff und dem saarländischen Kleinblittersdorf hat man vor vielen Jahren eine Fußgänger-Freundschaftsbrücke gebaut. Zwischen den lothringischen und saarländischen Grenzbewohnern herrscht ein freundschaftliches Verhältnis. Viele sind miteinander verwandt oder verschwägert, es geht hinüber und herüber, „driwwer un eniwwer“. Der Mundart Entertainer Schorsch Seitz hat es in seinem Lied von der „Blittersdorfer Brick“ formuliert:

„Is das e Lääwe uff de Brick,
in aller Hergottsfrüh
Ma trifft so die Bekannte hier,
Hallo, Bonjour, Salu!
E Schwätzje hier, e Küßje dort,
em Schang e scheener Gruß
Ma hats aach gar net eilisch
Ma is jo eh zu Fuß…

Es Zollheisje is abgeriß
Europa kommt sich näher
Mir senn mit ganzem Herz debei
Das fallt uns gar net schwer
De Michel un es Marianne:
L’Allemagne et La France
Die Deutsch-Französisch
Freundschaftsbrick
Das es e große Chance“.

Mit Horst und Emma wandere ich über die „grüne Grenze“ am Saarufer ins Saarland. Über Güdingen und dem Stadtteil St. Arnual kommen wir in die Landeshauptstadt Saarbrücken. Die vorletzte Etappe meiner Wanderung endet dort. Morgen ziehe ich zum letzten Mal meine Wanderschuhe an, die mich nun seit 5180 Kilometern rund um Deutschland gebracht haben. Morgen endet meine Wanderung am Weltkulturerbe Völklinger Hütte.

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