Grenzüberschreitendes Einheitsgrau – 232. Tag

Weiter entlang des Rheins Richtung Norden

Honau – Greffern / 07.11.2010 / 232. Tag

Trübe Aussichten für Emma und mich. Das Land am Rhein ist grenzüberschreitend mit Einheitsgrau überzogen. Leichter Nieselregen fällt von oben. Es ist windstill. Jedesmal wenn ich nun einen Weiher, Teich oder Altarm passiere achte ich darauf, ob große Luftblasen an der Oberfläche zu erkennen sind. Vielleicht ist Engelbert auf Fotomotivsuche und unter Wasser gerade am Fotografieren.

Der gestrige Abend hat mich begeistert und fasziniert. Als Wanderer entlang des Wassers hatte ich bislang keine Vorstellung wie sich das Leben unter Wasser abspielt. Engelbert hat mir nur einen kleinen Einblick in seine Unterwasserwelt gewährt. Die Zeit war zur kurz, um das gesamte Spektrum seiner exzellenten Aufnahmen zu bewundern. Unterwasseraufnahmen kannte ich bislang nur von Bildern von leuchtend bunten Korallenriffen und vielen durchs Meerwasser wuselnden exotischen Fischen. Wie schön die Unterwasserlandschaft in dieser Ecke Deutschlands sein kann, habe ich erst gestern gesehen. Ich hoffe ich werde bald wieder Gelegenheit haben mit Engelbert per Diashow in die Unterwasserwelt einzutauchen.

Bis Freistett wandere ich mit Emma am Rheindamm. Nur vereinzelt begegnen mir Spaziergänger, meistens mit Hund. Mit Regenschirm oder tief ins Gesicht gezogenen Kapuzen bleibt nur Zeit für einen kurzen Gruß und das gegenseitige Bedauern bei diesem Wetter vor die Tür zu müssen.

Hinter Freistett nehme ich den Weg durch den Auenwald und entlang einiger Streuobstwiesen. In vielen Pappeln und Obstbäumen hängen Misteln in Hülle und Fülle. Bald ist Adventszeit. Auf den Weihnachtsmärkten werden dann die Mistelzweige angeboten. In drei Wochen ist bereits der erste Adventssonntag und ich bin mit Emma schon vor Ostern aufgebrochen. Wenn meine Gesundheit mitspielt und das Wetter keine Kapriolen anstellt werde ich in zehn Tagen in Völklingen ankommen. Ein Lächeln huscht über mein Gesicht. Aber bis dahin werde ich noch 180 Kilometer zu Fuß unterwegs sein.

Am Mündungsarm der Rench gelangen wir wieder unmittelbar an den Rheindamm. Die Fähre zwischen Frankreich und Deutschland oberhalb von Grauelsbaum hat an diesem Sonntag wenig zu transportieren. Nach einer weiteren Rheinschleife endet die Wanderung am Yachthafen von Greffern. Emma schüttelt sich. Bei diesem Wetter würde sie sich lieber auf der Couch das Fell krauen zu lassen. Ich eigentlich auch.

Heute wäre es unter Wasser sicher schöner gewesen und viel nasser auch nicht. Ich bitte Engelbert mir per mail ein paar Fotos zu schicken, damit ich meine Begeisterung mit meinen Tagebuchlesern teilen kann. Vielen Dank dafür.

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