Kein Rauch steigt aus dem Schornstein der Almhütte – 191. Tag

Die Schwarzwand scheint den Weg versperren zu wollen

Brannenburg – Elbach / 27.09.2010 / 191. Tag

Der Morgen überrascht mit blauem Himmel und nur wenig Wolken als ich in Brannenburg nach Westen aufbreche. Zunächst muss ich gemeinsam mit Emma von 500 Meter auf über 1200 Meter bergan wandern. Beim Anstieg erinnert eine Gedenktafel aus Holz an einen besonders tragischen Todesfall vor genau sechzig Jahren, im September 1950:
„Hier tat Rosa Friedrich ihren letzten Schritt.
Drum ruh stiller Wanderer einen Augenblick.
Sieben Wespenstiche haben ihr genommen das Leben.
Gott möge ihr die ewige Ruhe geben“

Marterl am Wegesrand

An der Schlipfgrub-Alm (854 m) ist es noch zu früh zum Einkehren. Ich entschließe mich auf der nächsten Alm eine Pause einzulegen. Ein Fehler. Die Schuhbräu-Alm, die wir bei 1139 Meter erreichen ist montags geschlossen. Also genießen wir die tolle Aussicht Richtung Norden. Das Alpenvorland präsentiert sich im Sonnenlicht. Bis weit hinter Rosenheim geht der Blick. Unten im Tal schlängelt sich der Inn.

Der Almbauer ist mit Traktor und Anhänger zur Alm gekommen, um die letzten Kühe und ihre Kälber völlig unspektakulär ins Tal zu transportieren. Kein Almabtrieb mit geschmückten Kuhhäuptern. Als ich mich dazu äußere fährt mir der Altbauer, der mich vorher überhaupt nicht beachtete in die Parade. „So a Schmarrn, von Sachen wo man keine Ahnung hat hält man besser sei Maul“.

Der Weg steigt weiter an. Hinter der Rampold-Alm haben wir 1260 Meter erreicht. Die Berggipfel sind inzwischen wieder in den Wolken verschwunden. Als ich in Bad Reichenhall zu meinen Alpenetappen gestartet bin, habe ich mir vorgenommen, keine unnötigen Risiken einzugehen. Wenn das Wetter nicht mitspielt, werde ich mich nicht im Nebel oder in den Wolken in unbekanntem Terrain bewegen. Der Wendelstein und die umliegenden Höhen verweigern sich. Ich steige mit Emma zur Schloß-Alm (1100 m) ab. Schon von weitem ist erkennbar, dass sie Alm bereits verlassen ist. Kein Rauch steigt aus dem Schornstein. Eine rustikale Holzbank in der Nähe dient uns als Rastplatz.

Nachdem wir bis auf 909 Meter abgestiegen sind folgt wieder ein Aufstieg, bei dem wir nochmals 250 Höhenmeter überwinden müssen. Die Temperatur ist weiter gesunken. Der Aufstieg sorgt für angenehme innere Wärme.

Beim Anstieg scheint uns die Schwarzwand den Weg versperren zu wollen, gigantisch, senkrecht nach oben steigend wächst sie vor uns aus dem Boden. Graues und ockerfarbenes Gestein und dazwischen großflächige schwarze Felsen, als hätte jemand mit einer riesigen Kelle Pech oder flüssigen Asphalt darüber gekippt. Unser Weg führt direkt an der Wand vorbei. Kein Vogel ist zu hören, kein Bach plätschert dahin, einfach nur Stille vor dieser monumentalen Wand.

Kurze Zeit später geht es dann bergab ins Tal. Über den Ortsteil Durham erreichen wir die Kirche von Elbach. Dort endet nach über zwanzig Kilometer unsere heutige Tagestour. Mit etwas Wehmut gehen meine Gedanken zum Wendelstein. Ich komme sicherlich wieder.

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