Nur wo du zu Fuß warst, warst du wirklich – 192. Tag

Feuersalamander kreuzen unseren Weg

Elbach – Schliersee / 28.09.2010 / 192. Tag

Ein neuer Weg ist immer ein Wagnis. Aber wenn wir den Mut haben loszugehen, dann ist jedes Stolpern und jeder Fehltritt ein Sieg über unsere Ängste, unsere Zweifel und Bedenken.

Wieder ein neuer Tag, wieder ein neuer Weg. Der Startpunkt ist der Endpunkt von gestern, die Kirche in Elbach. Auch die geplante Ankunft ist klar: Schliersee. Aber dazwischen? Der Weg entwickelt sich während der Wanderung, die Dramaturgie des Weges ist nicht vorgegeben. Oftmals entscheiden Kleinigkeiten: die Erwartung einer wunderbaren Aussicht, ein grandioser Wegverlauf, Ruhe und Stille entlang eines leise dahinplätschernden Bergbachs. Es gibt hunderte von Möglichkeiten. Unterwegs sein in unbekanntem Terrain. Immer wieder die spannende Frage: Was wird mir der Tag präsentieren? Die grobe Richtung meines Weges ist vorgegeben. Ich wandere zurzeit Richtung Westen, möchte in etwa zweieinhalb Wochen den Bodensee erreicht haben.

Der Friedhof von Elbach, direkt neben der Kirche, ist sehenswert. Viele kunstschmiedeeiserne Kreuze zieren die Gräber. Ich nehme mir die Zeit entlang der Gräber zu spazieren. Am frühen Morgen bin ich der einzige Besucher. Bis zur Obermühle hinter Elbach schlängelt sich der Weg entlang sattgrüner Wiesen. Vermutlich haben viele Kühe, die jetzt auf den Wiesen weiden, den Sommer auf einer Alm verbracht. Hinter der Obermühle geht es bergan über Unter-, Mittel- und Obergschwend. Jeder „Ort“ besteht aus zwei oder drei Bauernhöfen. In Mittelgschwend bestätigt mir eine Bäuerin dass ich auf dem rechten Weg bin.

Danach wird es richtig steil. Durch den dunklen und kalten Wald zieht sich ein mit unzähligen Wurzeln durchsetzter Weg nach oben. Dann eine echte Überraschung. Der Satz von Ulrich Grober „Nur wo du zu Fuß warst, warst du wirklich“, bestätigt sich wieder einmal. Meinen und Emmas Weg queren gleich drei Feuersalamander. Ihre fast tapsig Bewegungen wirken, als wären sie mit einer Superslowmotion-Kamara gedreht. Schritt für Schritt, langsam und bedächtig queren sie den Weg, um an der Wandböschung in einer winzigen Erdhöhle Sicherheit zu finden. Ein wunderbares Schauspiel, das mich die Zeit vergessen lässt. Ich weiß nicht wann ich zum letzten Mal Feuersalamander gesehen habe.

Kindheitserinnerungen werden wach. Gab es nicht vor vielen Jahren eine Schuhmarke, deren „Maskotchen“ ein Feuersalamander Namens „Lurchi“ hatte? Kleine, grüne Heftchen, mit spannenden Geschichten des Salamanders in bunten Bildern. Und Lurchi hatte immer ein Paar handfeste Schuhe des Herstellers an. Ob es die wohl heute noch gibt?

Der Himmel bleibt in grau eingehüllt, gottlob bleibt es trocken. Entlang des Schliersbergs erreichen wir die Schliersberg-Alm. In Serpentinen wandern Emma und ich nach unten, hinter jeder Kurve ein Panoramablick über den Schliersee und die wolkenverhüllte Bergwelt.

Am Nachmittag bleibt Zeit „Das altbayerische Dorf – Landleben wie es einst war“ zu besichtigen. Das Bauernhof- und Wintersportmuseum Schliersee e.V. trägt den Namen Markus Wasmeier. Den Doppel-Olympiasieger von Lillehammer treffen wir leider nicht an. Markus Wasmeier hatte den Ab- und Aufbau seines denkmalgeschützten Elternhauses miterlebt. Die Idee reifte, die in seiner Kindheit lieb gewonnen Werte und Traditionen weiterzugeben. Insgesamt sollen einmal zehn historische Gebäude aus dem Oberland im Museumsdorf detailgetreu wieder aufgebaut werden. Drei Höfe mit insgesamt sechs Gebäuden sind bereits fertig gestellt (www.wasmeier.de).

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