Privatkonzert auf der Silbermann-Orgel in Crostau – 131. Tag

Zum letzten Mal begleitet mich heute mein Wanderführer und Wanderfreund Bernd

Beiersdorf – Wehrsdorf / 29.07.2010 / 131. Tag

Am Morgen rufe ich in der Touristinformation in Sohland an. Ich suche noch eine Unterkunft für die Nacht. Große Überraschung: die Damen im Büro haben den Anruf des Grenzgängers bereits erwartet und für mich in Wehrsdorf ein Zimmer reserviert. Emma und ich sind eingeladen. Ein herzliches Dankeschön nach Sohland.

Hinter Beiersdorf führt die Wegtrasse zum Bieleboh (499 m) wo schon seit über einhundert Jahren ein Aussichtsturm und eine Berggaststätte stehen. Für Bernd ist die Aussicht vom Bielebohturm die Schönste auf dem gesamten Oberlausitzer Bergweg. “ Blick hernieder auf der Täler grün, Glück und Frieden mögen dort erblühn“ fordert eine Inschrift an der Biehlebobaude den Wanderer auf. Direkt vor uns liegt das Dorf Cunewalde mit der größten Dorfkirche Sachsens. Der Blick geht weiter nach Löbau und Bautzen, nach Tschechien und Polen ins Isargebirge, ins Riesengebirge, zur Zittauer Senke und zum Zittauer Gebirge.

Silbermann Orgel in Crostau

Bernd hat eine Überraschung geplant. Nur unweit des Bergweges liegt der Ort Crostau. Die Kirche von Crostau wird mit der östlichsten Silbermann-Orgel Deutschlands geschmückt. Gegen Mittag klingeln wir bei der Kantorin Gudrun Schwarzenberg. Obwohl sie viel zu tun hat, packt sie die großen Schlüssel ein, um einige Türen zu öffnen. Dann setzt sie sich auf den Schemel, zieht alle Register und spielt einige Stücke aus dem Orgelbüchlein von Johann Sebastian Bach. Ich bin überwältigt vom vollen Klang dieser wunderschönen Orgel, die seit 278 Jahren hier erklingt. Emma und Bernd sitzen derweil vor der Tür im Schatten der Kirche. Gudrun Schwarzenberg wünscht mir zum Abschied eine weiterhin gute Wanderung. Ich sage danke ihr für dieses unverhoffte Privatkonzert.

Zwischen Ellersdorf und Sohland wurde die junge Spree zu einem See angestaut. Kurz danach erreichen wir die Himmelbrücke, eine steinerne Brücke, die 1796 über die damals noch in ihrem alten Flussbett fließende Spree gebaut wurde und heute den Dorfbach von Sohland überbrückt. In Sohland zeigt mir Bernd die schönsten Umgebindehäuser der Umgebung. Viele der alten Häuser sind renoviert, in den Vorgärten blühen die Sommerblumen. Bernd ist total begeistert.

Auf dem Weg zur Prinz-Friedrich-August-Baude ziehen dunkle Wolken auf. Eineinhalb Kilometer vor der Baude fängt es an zu gießen. Völlig durchnässt kommen wir dort an. Das Pausenbier schmeckt trotzdem. Beim Abstieg vom Berg erleben wir die Grenze nochmals hautnah. Am Dreiherrenstein von 1750 sind die Wappen der hier angrenzenden Gutsherrschaften von Sahla-Sohland, Graf Salm-Reiterscheidt Hainspach, früher Böhmen und das des Domstifts St. Petri in Bautzen-Wehsdorf eingemeißelt. Für mich der schönste Grenzstein, den ich bislang auf meiner Wanderung rund um Deutschland gesehen habe.

Im Landgasthof Erbgericht in Wehrsdof werde ich übernachten. Zu Bernds Abschied macht uns der Koch leckere echt „handgerappte Grumbeerkischelcha“. Bernd wird ab morgen eine Wandergruppe führen, die anlässlich des Lausitzer Musiksommers auf den Spuren von Caspar David Friedrich durchs Gebirge wandern wird. Ich danke Bernd für eine wunderbare Woche traumhafter Wandererlebnisse mit einem neu gewonnen Wanderfreund. Wir werden uns wieder sehen.

 

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